Elternabend Schulanfänger

Elternabend Schulanfänger

 

„Ein Schulkind wird das Kind in der Schule“

Informationsabend für Eltern der Schulanfänger zur Schulfähigkeit eines Kindes

 

Sehr gut besucht war am Dienstagabend in der Grundschule der Informationsabend für die Eltern von Kindern, die im Herbst dieses Jahres eingeschult werden. Damit zeigten die Erziehungsberechtigten deutlich ihr Interesse an dem neuen Lebensabschnitt, der in einigen Monaten auf ihre Kinder wartet. Monika Karsten, Religionslehrerin und Lerntherapeutin aus Regensburg, nahm in ihrem Vortrag zur Frage der Schulfähigkeit eines Kindes Stellung, während Schulleiter Georg Beutlhauser die rechtlichen Aspekte und die organisatorischen Abläufe für die Schuleinschreibung am 13. April erläuterte.

 

„Die Anforderungen einer Schule an Kinder beim Schuleintritt sind nirgends explizit festgeschrieben,“ stellte Monika Karsten eingangs ihrer Ausführungen klar. „Schulen haben ihr eigenes Profil, auch was die Gestaltung der Schulanfangsphase anbelangt. Außerdem kommt es immer wieder zu Veränderungen, sei es durch Lehrpläne, Richtlinien oder auch durch veränderte Rahmenbedingungen. ‚Schulfähigkeit’ soll auch nicht heißen, dass Kinder schon zu allem fähig sein müssen, was in der Schule verlangt wird. Ein Schulkind wird das Kind erst in der Schule,“ betonte die Referentin. „Mit anderen Worten, jedes Kind braucht die konkreten Erfahrungen in und mit der Schule, um ein kompetentes Schulkind sein zu können. Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräfte sollte also der Frage nachgehen: ‚Ist das Kind fähig und bereit, ein Schulkind zu werden?’

 

Danach sprach die Referentin allgemeine Voraussetzungen für die Schulfähigkeit eines Kindes an. Dazu gehören im körperlichen Bereich zum Beispiel die Fähigkeit auch längere Wegstrecken zu Fuß zurückzulegen, das Gleichgewicht zu halten, eine etwas schwerere Schultasche zu tragen oder sich in einem größeren Raum zu orientieren. Wichtig für die Schulfähigkeit sind auch grob- und feinmotorische Fertigkeiten. Knoten oder Schleifen binden, Papier reißen, Stifte korrekt halten, auf Linie schneiden oder mit Farbe und Kleber umgehen soll ein einzuschulendes Kind schon beherrschen. Bedeutsam ist auch der emotionale Bereich. Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen, sich mindestens zwanzig Minuten konzentrieren können, verlieren lernen, Fehler zulassen und Misserfolge ertragen können sind hier zu nennen.

 

Bei den sozialen Kompetenzen für ein angehendes Schulkind nannte die Referentin unter anderem Zuhören können, Einhalten von Regeln, Geduld haben, Selbstbeherrschung und Selbständigkeit zeigen, Konflikte verbal und nicht gewaltsam lösen können, Entwicklung von Selbstvertrauen, Ordnungs-, Gesprächs- und Verhaltensregeln verstehen und einhalten sowie Rücksichtnahme auf andere. An geistigen Kompetenzen sollte ein schulfähiges Kind mitbringen: Formen und Farben erkennen und benennen, die Unterscheidung rechts/links beherrschen, Lautstrukturen erkennen, eigene Gedanken verbalisieren, vier bis sechs Objekte zahlenmäßig erfassen, bis zwölf zählen, ganze Sätze formulieren und einfache Handlungsabläufe strukturieren.

 

Im Anschluss an diese erläuterte Monika Karsten einige der von einem schulfähigen Kind erwarteten Kompetenzen aus der Sicht der Lerntherapie. So sei die Gleichgewichtsfähigkeit unter anderem Voraussetzung für das Schreiben wichtig, weil dabei Beschleunigungen und Richtungswechsel vonnöten seien. Taktile Wahrnehmung, also der Berührungs- und Tastsinn, spiele beispielsweise bei der Stifthaltung beziehungsweise der Druckausübung auf das Schreibgerät eine große Rolle. Ein gut ausgeprägter Gesichtssinn helfe zum Beispiel, bei allen schreibmotorischen Aktivitäten Auge und Hand zu koordinieren. Auditive Wahrnehmung, also der Gehörsinn, ermögliche es, sprachliche Anweisungen aufzunehmen und mit motorischen Handlungen zu beantworten.

 

„Die Frage der Schulfähigkeit nur an den Kompetenzen des Kindes zu diskutieren, greift allerdings zu kurz,“ betonte die Referentin „Die Jungen und die Mädchen, die sich am ersten Schultag zu einer neuen Klasse zusammenfinden, sind sehr verschieden. Selbst dann, wenn sie alle am selben Tag auf die Welt gekommen wären, wäre ihr Entwicklungsstand unterschiedlich, sie hätten unterschiedliche Temperamente und sie hätten ihre ersten Lebensjahre in unterschiedlichen sozialen Familienumwelten verbracht.“ Falls allerdings gravierende Ausfälle in manchen Kompetenzbereichen bei einem Vorschulkind festzustellen seien, ermunterte Monika Karsten die Eltern als Bezugs- und Orientierungspersonen kompetente Beratung und Hilfe für das Kind in Anspruch zu nehmen.

 

Zum Schluss des Elternabends informierte Schulleiter Georg Beutlhauser noch in gebotener Kürze über die gesetzlichen Vorgaben zur Einschulung. Demnach seien alle Kinder bei der Schuleinschreibung am Mittwoch, 13. April, anzumelden, die ab dem 1. Oktober 2009 bis zum 30.September 2010 geboren seien. Auch eventuell im vorigen Jahr zurückgestellte Kinder betreffe diese Regelung. Bei der Schuleinschreibung wird für alle Kinder ein Test durchgeführt, der von mehreren Lehrkräften begutachtet wird. Die Entscheidung über die Einschulung eines Kindes trifft aufgrund der Beobachtungsergebnisse der Schulleiter. Bei ihm sind auch eventuelle Zurückstellungsanträge zu stellen.

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